Freitag, 27 November, 2015 - 14:50

Beinfreiheit

Fernflüge ohne Knieschmerzen: Mehr Platz für die Beine im Flugzeug
Die Fluggesellschaften bestuhlen ihre Maschinen immer enger. Sechs Tipps, wie Sie der Ölsardinen-Enge entkommen. Wer sicher mehr Beinfreiheit will, der muss allerdings mehr zahlen

Von Hans-Werner Rodrian 

(srt) Wie einfach war das doch noch vor wenigen Jahren: Die Flüge waren teurer, aber alle Passagiere hatten Platz. Heute klemmen gerade Großgewachsene wie die Klappmesser in ihrem Sitz. Das muss aber nicht sein. Wir nennen sechs Möglichkeiten, der Sardinendosen-Enge zu entfliehen.

Einen Gangplatz nehmen:
Fensterplätze sind ja bei Urlaubern deutlich beliebter. Aber Kenner nehmen trotzdem den Gang. Da kann man nämlich ab und zu aufstehen, ohne über den Sitznachbarn hinweg klettern zu müssen. Und wenn nicht gerade der Kaffeewagen vorbeirollt, lassen sich die Beine am Vordersitz vorbei auch gemütlich ausstrecken. Paare entscheiden sich sinnvollerweise für gegenüber liegende Gangplätze. Mit etwas Glück bleiben die Mittelsitze daneben sogar frei (weil sie besonders unattraktiv sind) - dann hat man auch mehr Platz in die Breite. Die passenden Sitzplätze sichert sich der Profi gleich bei der Buchung. Kostenlos ist das allerdings immer seltener. Früher konnte man sich bei der Buchung aussuchen, wo man sitzen will - ohne Aufpreis. Heute verlangt selbst die Lufthansa schon 25 Euro pro Sitzplatzreservierung, für Hin- und Rückflug also 50 Euro. 

Die richtige Fluggesellschaft wählen:
Nicht alle Flugzeuge haben den selben Sitzabstand. Wie das Magazin Reise & Preise gerade erst ermittelte, bestuhlen die deutschen Ferienflieger Air Berlin und Condor ihre Maschinen besonders eng. Der Abstand zwischen zwei Sitzen beträgt dort oft gerade mal 76 Zentimeter. Deutlich mehr Platz bieten vor allem asiatische Fluggesellschaften: Japan Airlines, Korean und Oman Air schrauben ihre Flugsitze im Abstand von 86 Zentimetern ein - das sind zehn Zentimeter mehr Platz für die Knie. Die gängigen US-Airlines liegen mit 79 bis 81 Zentimetern im Mittelfeld. Wer es genau wissen will, der schaut in einschlägigen Webportalen wie Seatguru, Seatexpert oder Seatplans nach. Diese bieten Übersichten und Erfahrungsberichte von Vielfliegern. Urlaubern, die nicht selber suchen wollen, hilft ein gutes Reisebüro. Das kennt auch die Fallstricke. Der wichtigste: Ein und dieselbe Fluggesellschaft fliegt bei unterschiedlichen Maschinentypen oft mit ganz unterschiedlichen Sitzabständen. So bietet Austrian Airlines in der Boeing 767 knappe 76 Zentimeter Sitzabstand, im Schwesterflieger Boeing 777 dagegen bis zu 84 Zentimeter. 

Einen guten Sitzplatz ausfindig machen:
Vielflieger wissen: Nicht alle Sitzplätze im Flugzeug sind gleich attraktiv. Z.B. muss an den Notausgängen ein größerer Abstand eingehalten werden. Wer dort sitzt, der hat vergleichsweise viel Beinfreiheit. Nachteil: Aus Sicherheitsgründen darf dort kein Handgepäck im Fußraum stehen; außerdem kann es am Notausgang schon mal ziehen. Mehr Platz gibt es auch in der allerersten Reihe direkt hinter dem Cockpit oder der Business-Class: Nach vorne bleibt da viel Fußraum, außerdem gibt es keinen Vordermann, der sich zurücklehnen könnte. Vom Bordkino wird man allerdings nicht viel sehen. Und zahlreiche Fluggesellschaften vergeben diese Plätze ausschließlich an Mütter mit Kleinkindern. Aber es gibt noch andere gute Sitze: bei Großraummaschinen z.B. direkt an den Einstiegstüren. Die Reihen vor Türen und Notausgängen sowie die hinterste Reihe meidet man besser, denn dort lassen sich die Lehnen nicht zurückklappen. Wer an die besten Plätze will, der braucht vor allem eins: die Bestuhlungsübersicht. Sie ist heute bei den meisten Airlines im Internet veröffentlicht oder noch besser, weil kommentiert, auf den oben bereits erwähnten Spezialwebseiten wie Seatexpert und Seatguru. Dort lässt sich auch gut erkennen, wo sich die Anzahl der Sitzplätze pro Reihe ändert. Diese "Sprungstellen" bieten einige Luxussitze, vor denen keine Sitzreihe mehr liegt und wo man deshalb seine Beine weit ausstrecken kann. Nachteil dieser Plätze: Oft sind hier auch die Toiletten oder die Bordküche, und das bedeutet Gerüche und Störungen.

Einen XL-Sitz buchen:
Dass es in jedem Flugzeug "bessere" und "weniger gute" Sitze gibt, haben mittlerweile auch die Fluggesellschaften gelernt. Längst verkaufen viele von ihnen die attraktivsten Sitzplätze gegen Bares. Das Zauberwort heißt mal “XL Seats" wie bei Air Berlin oder Condor, dann wieder "Sitzplatz Plus" wie bei Air France oder einfach "Sitze mit mehr Beinfreiheit" wie bei Lufthansa. Das Prinzip ist aber immer das gleiche: Man zahlt zwischen 70 und 100 Euro pro Strecke (hin und zurück also 140 bis 200 Euro) zusätzlich und bekommt dafür einen Platz mit wenigstens zehn Zentimeter mehr Beinfreiheit zugesichert. Oft kann man statt Geld auch Vielfliegermeilen für dieses Extra einsetzen. Für alle Airlines gilt: Sitzplätze am Notausgang werden nicht an Schwangere oder körperlich gebrechliche Passagiere sowie an Kinder unter zwölf Jahren vergeben. Wer die Normen nicht erfüllt, der kann auch noch an Bord umgesetzt werden. Für Mütter mit kleinen Kindern gibt es Sitze mit mehr Platz (ganz vorn im Flieger) ohne Aufpreis.

Sich Economy Plus leisten:
Immer mehr Urlauber leisten sich heute das kleine Bisschen mehr Platz. Und so ist die Nachfrage nach Sitzen mit extra Beinfreiheit größer als die Zahl der Plätze am Notausgang. Mehr und mehr Airlines haben deshalb bereits einige "normale" Sitzreihen mit größerem Abstand montiert. Bei United Airlines heißt das Angebot "Economy Plus Extra Legroom Seating" und kostet 88 US-Dollar pro Strecke. American Airlines hält unter dem Namen "Main Cabin Extra" und fast identischen Preisen dagegen. Tuifly und Lufthansa verkaufen die Extra-Sitze unter dem selben Namen wie die XL Seats (siehe oben). Und ganz neu ab Dezember steigt nun auch Air Berlin in dieses Geschäft ein: Die XL-Seats mit roter Kopfstütze gibt es dann nicht mehr nur an den Notausgängen. Die fünf vordersten Reihen der Ecomomy-Class werden 15 Zentimeter weiter auseinander gerückt und haben damit 91 Zentimeter Sitzabstand. Dafür verlangt die Airline 80 Euro Aufpreis pro Strecke.

Früh dran sein:
Doch egal, ob man einen Aufpreis zu zahlen bereit ist oder trotz Minimaltarif einen guten Platz bekommen will: Wichtig ist in jedem Fall, früh dran zu sein. Sonst sind die besten Plätze alle schon besetzt. Das gilt bereits bei der Reservierung: Bei vielen Airlines lassen sich Sitze schon mit der Buchung reservieren. Andere öffnen die Reservierungsmaske im Internet 30 Stunden oder einen Tag vor dem Flug. Wer sich das gemerkt hat und dann sofort seinen Sitzplatz aussucht, der hat noch die volle Auswahl. Aber selbst mit einem bereits gebuchten Bequem-Sitz lohnt es sich noch, früh am Flughafen zu sein. Denn bisweilen wird ein anderer als der ursprünglich geplante Maschinentyp eingesetzt, und das Early-Bird-Spiel beginnt von Neuem.

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